Zurück zum Lernen: drei junge Menschen erreichen ihren Hauptschulabschluss

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Zurück zum Lernen: drei junge Menschen erreichen ihren Hauptschulabschluss

Drei junge Menschen haben geschafft, woran sie selbst zeitweise nicht mehr geglaubt hatten: Sie haben ihren Hauptschulabschluss bestanden. Nach fast zehn Monaten Vorbereitung im Schulabschluss-Projekt von Job Central legten sie die Schulfremdenprüfung an der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule erfolgreich ab.

Für die Absolventen ist das mehr als ein Zeugnis. Der Hauptschulabschluss verbessert ihre Chancen auf Ausbildung, eröffnet neue Anschlussmöglichkeiten und stärkt das Vertrauen in die eigene Zukunft. Vor allem zeigt dieser Erfolg: Auch nach schwierigen Schulbiografien, Rückschlägen und Zweifeln kann ein neuer Anlauf gelingen – wenn die Unterstützung passt und Menschen verlässlich dranbleiben.

Seit September 2025 hatten sich insgesamt sechs junge Menschen in den Seminarräumen der Lern-Praxis-Werkstatt auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Für viele von ihnen war bereits der Weg dorthin ein wichtiger Entwicklungsschritt: wieder regelmäßig kommen, sich erneut auf Lernen einlassen und am Ende zur Prüfung antreten. Frühere Misserfolge und negative Prüfungserfahrungen hatten Spuren hinterlassen. Umso wichtiger waren Vertrauen, Kontakt auf Augenhöhe und eine kontinuierliche Begleitung.

Lernen mit Unterstützung

Die Vorbereitung auf die Prüfung bestand nicht nur aus Lernstoff. Natürlich ging es auch darum, in Mathematik den Dreisatz zu verstehen, in Deutsch literarische Figuren zu beschreiben oder auf Englisch den eigenen Lieblings-Fußballverein vorzustellen. Den Unterricht gestaltete ein Team aus Dozent*innen – Lehramtsstudierende und freie Dozenten – das die Teilnehmenden fachlich durch die Inhalte führte. Ergänzend unterstützten ehrenamtliche Lernbegleitungen viermal pro Woche am Nachmittag dabei, das Gelernte zu vertiefen und sich gezielt auf die Prüfung vorzubereiten.

Genauso wichtig war aber der Rahmen, in dem dieses Lernen stattfand. Die Lern-Praxis-Werkstatt wurde zu einem Ort, an dem Lernen, Alltag und persönliche Stabilisierung zusammenkommen konnten. Das gemeinsame Mittagessen war mehr als eine Pause zwischen zwei Lerneinheiten. Es gab Struktur, Kontakt und Gelegenheit zum Gespräch. Hier kamen die Teilnehmenden mit anderen jungen Menschen, Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden ins Gespräch. Oft wurde schon beim Essen weiterdiskutiert – über Politik, Gesellschaft, persönliche Ziele oder die nächste Prüfungsvorbereitung.

So entstand ein Lernort, der mehr bot als Arbeitsblätter und Prüfungstraining: ein verlässlicher Rahmen, in dem junge Menschen wieder Zutrauen in sich selbst entwickeln konnten.

Ein Abschluss, der Mut macht

In kleinem Rahmen wurden die bestandenen Abschlüsse in der Lern-Praxis-Werkstatt gefeiert. Die Dozent*innen, Lernbegleitungen und das Case-Management gratulierten den Absolventen bei Kaffee und Gebäck. Neben der Freude über die Zeugnisse ging es auch um die nächsten Schritte: Welche Zukunftspläne gibt es? Welche Anschlussmöglichkeiten kommen infrage? Wo braucht es weiterhin Unterstützung?

Denn mit dem bestandenen Schulabschluss endet die Begleitung nicht automatisch. Die jungen Menschen bleiben weiterhin mit dem Team aus dem Projekt „Läuft?!“ verbunden und können Unterstützung erhalten, wenn es um Ausbildung, weitere Bildungswege oder die nächsten persönlichen Schritte geht.

Ein Teilnehmer brachte auf den Punkt, was dieser Erfolg für ihn bedeutet:

„Ich hatte nicht gedacht, dass ich das doch noch schaffen kann!“

K., Teilnehmer im Schulabschluss-Projekt

Dieser Satz beschreibt sehr gut, worum es im Kern geht. Der bestandene Abschluss ist der sichtbare Erfolg. Dahinter stehen viele kleinere Schritte: wieder anfangen, dranbleiben, Zweifel aushalten, Hilfe annehmen, üben, zur Prüfung antreten und erleben, dass sich die Anstrengung lohnt.

Was wir aus dem ersten Durchlauf lernen

Nicht jeder Weg verläuft gleich schnell. Nicht alle Teilnehmenden, die im Projekt gestartet sind, haben in diesem Durchlauf den Abschluss erreicht. Auch das gehört zur Realität der Arbeit mit jungen Menschen, deren Bildungswege bereits Brüche erlebt haben.

Daraus lernen wir: Manche junge Menschen brauchen mehr Zeit, andere Lernformen oder zunächst ein stabileres Lebensumfeld, bevor ein Schritt in Richtung Schulabschluss realistisch wird. Entscheidend ist, diese Erfahrungen ernst zu nehmen und das Angebot so weiterzuentwickeln, dass es noch besser zu den Lebenslagen der Jugendlichen passt.

Wir werden die Erfahrungen aus diesem Durchlauf auswerten und das Konzept weiterentwickeln. Für einen nächsten Durchlauf prüfen wir, welche Lernformen, welche Tagesstruktur und welche pädagogische Begleitung künftig am besten tragen. Auch Erkenntnisse aus der Lehr- und Lernforschung sollen dabei einfließen.

Ziel ist es, auch künftig jungen Menschen eine realistische Chance zu geben, den Hauptschulabschluss nachzuholen als gut begleiteten Weg zurück ins Lernen und in eine neue Anschlussperspektive.

Das Schulabschluss-Projekt zeigt, wie wichtig flexible Bildungswege für junge Menschen sind, die im regulären Schulsystem nicht oder nicht mehr gut erreicht wurden. Der Bedarf ist da. Gleichzeitig braucht ein solches Angebot mehr als fachliche Nachhilfe. Es braucht Beziehung, Struktur, Geduld, fachliche Unterstützung und Orte, an denen junge Menschen wieder Vertrauen in ihre eigenen Möglichkeiten entwickeln können.

Danke an alle Beteiligten

Um junge Menschen beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen, reicht eine gute Idee allein nicht aus. Es braucht Menschen, die Zeit schenken, Geduld mitbringen, Verlässlichkeit bieten und bereit sind, Beziehungen aufzubauen. Es braucht ehrenamtliche Lernbegleitungen, die erklären können und ermutigen. Es braucht Dozent*innen, die fachlich begleiten und Struktur geben. Es braucht Schulen und Behörden, die pragmatisch mitarbeiten. Und es braucht Orte wie die Lern-Praxis-Werkstatt, an denen Lernen, Alltag und persönliche Stabilisierung zusammenfinden.

Unser Dank gilt allen, die diesen Durchlauf ermöglicht und unterstützt haben: den ehrenamtlichen Lernbegleitungen, die sich freiwillig und unentgeltlich mit Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit eingebracht haben sowie den Dozentinnen und Dozenten, die die Teilnehmenden mit Wissen, Können und viel Geduld auf die Prüfung vorbereitet haben.

Ebenso danken wir dem Team des „Anderen Schulzimmers“ in Mannheim für seine Offenheit und fachliche Unterstützung zum Projektstart; dem Staatlichen Schulamt Mannheim für die pragmatische Begleitung sowie der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule für die verlässliche Zusammenarbeit rund um die Schulfremdenprüfung.

Vor allem aber gratulieren wir den drei Absolventen herzlich. Sie haben sich noch einmal auf Lernen eingelassen, sind drangeblieben und haben ihren Abschluss geschafft. Das verdient unseren Respekt.

Sebastian Öhlschläger