Wie das Projekt Praxiszeit Plus Jugendliche stärkt
Manchmal braucht es einen anderen Lernort, um wieder Zugang zu sich selbst und zu eigenen Stärken zu finden und eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Das Projekt Praxiszeit Plus der Regionalen Jugendagentur Job Central e.V. bietet genau diesen Raum. Am Beispiel von Niklas, 16 (Name geändert) wird deutlich, wie praxisorientiertes Arbeiten und individuelle Begleitung neue Wege eröffnen können.
Wenn Schule zur Herausforderung wird
Niklas besucht eine Realschule und steht – wie viele Jugendliche – vor großen schulischen Anforderungen. Nach einer längeren gesundheitlichen Belastungsphase fiel es ihm schwer, dem Schulalltag gerecht zu werden. Konzentration, Leistungsdruck und Zukunftsfragen führten dazu, dass Schule für ihn eher Belastung als Lernraum war.
Gemeinsam mit seiner Schule entstand die Idee, Praxiszeit Plus als unterstützendes Angebot zu nutzen: nicht als Abkehr von Schule, sondern als begleitenden Schritt zur Stabilisierung und Neuorientierung.
Praxiszeit Plus: Lernen mit den Händen
Im Rahmen von Praxiszeit Plus wurde Niklas für mehrere Wochen vom Unterricht freigestellt und nahm an den Angeboten unserer Lern-Praxis-Werkstatt (LPW) teil. Dort stehen praktisches Tun, feste Tagesstrukturen und das Erleben von Gemeinschaft im Mittelpunkt.


Niklas konnte sich unter anderem in folgenden Bereichen ausprobieren:
- Holzarbeiten: planen, sägen, bauen – sichtbare Ergebnisse schaffen
- Kreative Tätigkeiten: gestalten, experimentieren, eigene Ideen umsetzen
- Bogenschießen: Konzentration, Ruhe und Fokussierung trainieren
- Ausflüge und erlebnispädagogische Angebote: neue Erfahrungen machen, Teil einer Gruppe sein


In kleinen Gruppen, mit festen Ansprechpartner*innen und einem klar strukturierten Tagesablauf fand Niklas einen Rahmen, der ihm Sicherheit gab. Schritt für Schritt konnte er zur Ruhe kommen, neue Energie sammeln und sich wieder auf sich selbst konzentrieren.
Gerade das praktische Arbeiten spielte für Niklas eine zentrale Rolle. Statt Leistungsdruck erlebte er Selbstwirksamkeit: etwas beginnen, dranbleiben und ein greifbares Ergebnis sehen.
„Ich fand es cool, dass alles so vielfältig war und viele Sachen ohne Stress gemacht werden. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, weil alles stressfrei war und alle total nett waren.“
Perspektiventwicklung durch individuelle Begleitung
Begleitend dazu fanden regelmäßige individuelle Beratungsgespräche statt. Gemeinsam wurde reflektiert, was ihm liegt, was ihm guttut und wie sein weiterer schulischer und beruflicher Weg aussehen könnte. Diese Gespräche eröffneten Raum für Orientierung und halfen Niklas, eigene Ziele zu entwickeln und realistische nächste Schritte zu formulieren.
Dabei wurde deutlich: Für seinen weiteren Weg braucht Niklas vor allem Zeit, praxisnahe Erfahrungen und eine verlässliche Begleitung. In enger Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum sowie mit ebenfalls bei Job Central tätigen AVdual-Begleiter*innen konnte so eine passgenaue Anschlussmöglichkeit vorbereitet werden, die seinen individuellen Bedürfnissen gerecht wird.
Abschließend sagte Niklas über seine Projektteilnahme:
„Die beste Zeit der Schulzeit.“
Anna Wolsing